musik
Demo an einem Tag aufnehmen: Stundenplan, Kosten, realistische Ausbeute
2. Juli 2026 · von Dennis Grönig
„Wir machen das an einem Tag” ist entweder ein guter Plan oder eine teure Illusion. Der Unterschied entscheidet sich nicht am Aufnahmetag, sondern zwei Wochen vorher. Hier steht, was in acht Stunden im Musikstudio in Stein bei Nürnberg realistisch drin ist, und woran Tage scheitern.
Die ehrliche Zahl: zwei bis drei Songs
Nicht fünf. Zwei bis drei Songs, wenn die Arrangements stehen und die Texte sitzen. Vier, wenn ihr geübt seid und die Songs sich ähneln. Ein Song, wenn ihr am Aufnahmetag noch über den Refrain diskutiert.
Der Grund ist banal: Ein Lead-Vocal-Take, mit dem man leben kann, braucht selten weniger als 40 Minuten. Mal Doubles, mal Backings, mal Instrumente, und die Stunden sind weg, ohne dass jemand getrödelt hat.
Der Stundenplan
10:00 – 11:00 · Aufbau und Soundcheck Mikrofonwahl, Pegel, Kopfhörermischung. Die Kopfhörermischung ist der Teil, den alle unterschätzen und der über die Qualität aller folgenden Takes entscheidet. Wer sich schlecht hört, singt schlecht.
11:00 – 13:00 · Der erste und schwerste Song Frische Stimmen zuerst. Nach fünf Stunden singt niemand mehr die Nummer mit der hohen Bridge.
13:00 – 13:30 · Pause Keine Verhandlungsmasse. Ohren, die vier Stunden dasselbe gehört haben, treffen keine Entscheidungen mehr.
13:30 – 16:00 · Song zwei, plus Overdubs Akustikgitarre, Klavier-Layer, Backings. Hier ist das Klavier vor Ort der Zeitgewinn: kein Transport, kein Aufbau, kein gemietetes Instrument, das erst gestimmt werden muss.
16:00 – 17:30 · Song drei oder Reserve Ehrlich einplanen als Puffer. Wenn er nicht gebraucht wird: Bonus. Wenn doch, war er kein Verlust.
17:30 – 18:00 · Sichten und Übergabe Takes durchgehen, markieren, exportieren. Du gehst mit 24-bit/48-kHz-WAV-Multitracks raus, ohne Aufpreis.
Was der Tag kostet
Acht Stunden × 60 €/h = 480 € Raumkosten. Keine Abend- oder Wochenendaufschläge, die Multitracks sind drin.
Was nicht drin ist: ein Engineer. Du trackst selbst oder bringst deinen Producer mit. Wenn du jemanden brauchst, vermitteln wir aus dem Netzwerk, kalkuliere zusätzlich 60–80 €/h, also grob 480–640 € obendrauf. Sag das früh, nicht drei Tage vorher.
Mix und Master sind ebenfalls nicht enthalten. Ein Demo-Mix liegt marktüblich bei 150–400 € pro Song. Wie sich der Stundensatz insgesamt einordnet, steht in der Übersicht zu Tonstudio-Preisen in Nürnberg.
Die drei Dinge, an denen Tage scheitern
1. Arrangement nicht fertig. Wenn am Aufnahmetag noch über Songstrukturen geredet wird, ist der Tag weg. Diskutiert das im Proberaum, wo die Stunde nichts kostet.
2. Kein Klick-Plan. Tempo pro Song festlegen, vorher. Wer mit drei verschiedenen Tempovorstellungen ankommt, verliert eine Stunde pro Song.
3. Zu spät gestimmt. Gitarren vorher neu besaiten, mindestens einen Tag vorher. Frische Saiten verstimmen sich in den ersten Stunden dauernd, das kostet Takes.
Was hier nicht geht
- Kein Release-Master. Kein kalibrierter Mastering-Raum. Den finalen Master machst du danach woanders.
- Drums nicht spontan. Bandaufnahmen mit Schlagzeug gehen, aber die Mikrofonierung baut sich nicht in zehn Minuten auf. Beim Buchen ansagen, dann steht sie vor deiner ersten Stunde.
Was geht: Songwriter-Demos, Bandvorstellungen, Pre-Production, Klavier-Vocal-Aufnahmen. Welche Signalkette dahintersteht, steht im Equipment-Überblick.
Vorher anschauen
Alexanderstraße 2 in 90547 Stein, acht Autominuten vom Nürnberger Hauptbahnhof, kostenlose Parkplätze direkt vor der Tür. Besichtigung dauert 20 Minuten und kostet nichts → Termin anfragen.
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